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Frachtschiff töten jungen Finnwal

Foto: IFAW , Richard McLanaghan
 

Ein junger Finnwal wurde zu Beginn der Woche am Bug eines Frachtschiffs entdeckt, das in den Hafen von Terneuzen, Niederlande einlief. Die von der Universität Utrecht durchgeführte Obduktion hat nun ergeben, dass der junge 15 Meter lange Wal noch am Leben war, als das Schiff ihn rammte.

Experten des International Fund for Animal Welfare (IFAW) analysierten die Route des Schiffs, das von der Türkei in die Niederlande fuhr. Wahrscheinlich wurde der Wal in der Bucht von Biskaya überfahren, das legen die Analyse der Daten und die Obduktion nahe.

„Nur die wenigsten Opfer solcher Kollisionen werden bekannt, sie sind die Spitze des Eisbergs“, erklärt Andreas Dinkelmeyer, Meerescampaigner IFAW Deutschland. „Medien berichteten seit Januar von elf Walen, die durch Schiffe umkamen, nun sind es zwölf. Die meisten getöteten Wale werden aber gar nicht bemerkt. Experten schätzen, dass für jeden durch eine Schiffskollision getöteten Wal von dem wir erfahren, mindestens 20 unbemerkt sterben. Das bedeutet, dass vermutlich dieses Jahr schon mindestens 240 Tiere durch Schiffskollisionen gestorben sind.“

Die Bucht von Biskaya zwischen Frankreich und Spanien ist ein Hotspot für Finnwale, Schnabelwale und mehrere Delphinarten, gleichzeitig herrscht dort ein hoher Schiffsverkehr. Meist werden die Körper angefahrener Wale durch Strömungen weggetrieben oder sinken auf den Meeresgrund. Nur wenige werden an Land gespült oder von den Schiffen mit in die Häfen gebracht, wie in diesem Fall.

„Diese unnötigen und oft qualvollen Todesfälle können verhindert werden“ so Dinkelmeyer weiter. „Geringere Geschwindigkeiten und das Umfahren der für Wale besonders wichtigen Lebensräume können Kollisionen verhindern. Wenn etwa die Schifffahrt ihre Geschwindigkeit um 10 Prozent reduziert, verringert sich das Kollisionsrisiko etwa um die Hälfte. Zusätzlich werden weniger Treibhausgase ausgestoßen“.

Finnwale werden durch die Welttierschutzunion (IUCN) als gefährdet eingestuft und sind nach dem Blauwal die zweitgrößten Säugetiere der Welt. Sie werden bis zu 27 Meter lang, sind schnelle Schwimmer und ernähren sich von Plankton, Krill und kleinen Fischen.

Kollisionen mit Schiffen töten Wale weltweit. Sterben die Tiere nicht sofort, so tragen sie schwerwiegende Verletzungen davon, an denen sie qualvoll zugrunde gehen. Jedes so zu Tode gekommene Tier kann das Überleben mancher Arten oder Populationen wie etwa der Nordatlantischen Glattwale oder der Pottwale im östlichen Mittelmeer gefährden. Je schneller ein Schiff fährt, desto höher ist das Risiko einer Kollision, bei Geschwindigkeiten über zehn Knoten (etwa 18 km/h) steigt die Wahrscheinlichkeit tödlicher Kollisionen erheblich.

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Kranke Kühe systematisch misshandelt

 
Foto: SOKO Tierschutz e.V.
 

Dortmund/Unna/München (ots)

Polizeibeamte durchsuchten mehrere Standorte aus dem Umfeld der Metzgerei Mecke aus Werne NRW. Die Werbung der Firma aus dem Landkreis Unna spricht von „Achtung vor Tieren“ – Recherchen von SOKO Tierschutz zeigen die traurige Realität.

In einer Tierhaltung aus dem Firmengeflecht Mecke wurden Tiere die letzten Monate systematisch misshandelt. Arbeiter verprügeln bis auf die Knochen abgemagerte Tiere auf das brutalste und bis zur Bewusstlosigkeit, ein krankes Kalb wird getreten und an den Ohren herumgeschleift, Stromschläge werden illegal ausgeteilt, Kühe werden mit der Seilwinde bei vollem Bewusstsein umhergeschleift , und es besteht sogar der Verdacht auf Tierversuche, denn die Firma handelt scheinbar mit dem Blut der geschwächten Tiere.

Das Blut wird den Tieren bei lebendigen Leibe literweise abgezapft, die Tiere dabei noch gequält. Ein Vorgang, der als meldepflichtiger Tierversuch gilt. Die Mecke-Mitarbeiter kommentieren das als „leer machen“ und wissen, dass Tiere nach dieser Tortur fertig sind und oft nicht mehr aufstehen können.

Das Bildmaterial aus dem Zeitraum Mai bis Juli erinnert auf fatale Weise an die Skandale um Schlachthöfe, die sich auf die illegale Schlachtung kranker und verletzter Milchkühe spezialisiert haben. Während z. B. der Fall Bad Iburg vor Gericht verhandelt wird, tauchten Täter aus diesem Skandal bei der Schlachterei Mecke auf und betrieben das grausame Geschäftsmodell weiter.

Unter den Lieferanten ist die Firma Hunecke aus Westerkappeln (NRW). “ Jetzt zeigt sich, dass die lächerlichen Strafen in den Tierschutzprozessen null abschrecken. Die grausamsten Täter wie Hunecke zogen einfach ein paar Kilometer weiter, und das Veterinäramt weiß mal wieder von nichts – Ein Großversagen von Politik und Justiz“, so SOKO-Sprecher Friedrich Mülln.

Das Veterinäramt Unna war erst vor wenigen Monaten in einen gewaltigen Skandal um illegales Schächten verstrickt. „Offenbar ist die staatliche Kontrolle der Tierhaltung in NRW praktisch nicht existent und wird von kriminellen Strukturen und Tierquälerei geprägt“, beschreibt Mülln die Lage.

SOKO Tierschutz hat Strafanzeige gegen den Betrieb und seine Beteiligten gestellt, auch beim Jugendschutz. Auf dem Material sieht man, dass Kinder regelmäßig sehen, wie Tiere verprügelt werden, und die Kinder sogar zur Tierquälerei angestiftet werden. So fordert ein Arbeiter Minderjährige auf, Tieren auf den Kopf zu schlagen, und es folgen Szenen, die zeigen, dass der Missbrauch die Kinder geprägt hat. „Die Polizei hat sehr schnell und stark reagiert. So eine Reaktion erwarten wir uns auch von dem Landratsamt und der Politik, die bisher bei Tierschutzfällen Desinteresse zeigen“, so Mülln.

Der Fall Mecke zeigt erneut, dass sich hinter Metzgern, auch mit bestem Ruf, Leid und Qual verbirgt. Der Skandal zeigt auch, wie falsch es ist, so genannte handwerkliche Schlachtbetriebe von Veterinärkontrollen weitgehend auszunehmen. SOKO Tierschutz fordert eine permanente Kontrolle aller Schlachtungen, insbesondere in Metzgereien, personelle Konsequenzen im Veterinäramt und klare politische Pläne zum Ausstieg aus diesem Qualsystem. „Dass Ministerpräsident Laschet die Stabsstelle gegen Umweltkriminalität zerschlagen hat, rächt sich nun. Die Politik sollte die Strukturen bei der Polizei und den Behörden stärken und nicht schwächen“, fordert der SOKO Tierschutz Sprecher.

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Zum Welt-Tiger-Tag am 29.7.: die traurige Wahrheit über weiße Tiger

Foto: (c) IFAW
 

Weiße Tiger erlangten in Deutschland vor allem durch die Bühnenshows der Zauberkünstler Siegfried & Roy fragwürdige Berühmtheit. Sie werden wegen ihrer Schönheit verehrt, aber hinter ihrem einzigartigen Aussehen verbirgt sich eine erschütternde Geschichte von Misshandlung und Inzucht.

Weiße Tiger sind keine eigene Unterart oder Rasse und kommen in der Regel nicht in freier Wildbahn vor. Sie werden durch einen genetischen Zufall gezeugt, der auftritt, wenn sich zwei orangefarbene Tiger mit seltenen rezessiven Formen eines Genes fortpflanzen. Es wird angenommen, dass alle in Gefangenschaft gehaltenen weißen Tiger in den Vereinigten Staaten die Nachkommen eines einzigen männlichen Königstigers namens Mohan sind.

Infolge dieser erzwungenen Inzucht werden weiße Tiger mit schmerzhaften Verformungen und Gesundheitsschäden wie Hüftdysplasie, schwerer Sehbehinderung, Wirbelsäulenerkrankungen und kranken Organen geboren. Ihr schlechter Gesundheitszustand wird noch verschlimmert durch die schrecklichen Lebensbedingungen, denen sie in Pseudo-Schutzzentren und bei Tiershows ausgesetzt sind.

Bei weißen Tigern mit langer Inzuchtlinie können mehr als 80 % der Jungen kurz nach der Geburt sterben.

„Weiße Tiger sind anfällig für verheerende Gesundheitsprobleme, die zu lebenslangen Schmerzen und Leid führen“, kommentiert Carson Barylak, Kampagnenleiterin des IFAW. „Der schlechte Zustand dieser Tiere ist bei Tiershows oder auf Selfies in den sozialen Medien nicht immer leicht zu erkennen, da die Tiger mit den offensichtlichsten Schäden vor der Öffentlichkeit verborgen oder sogar getötet werden.“

Schätzungen zufolge werden den USA vermutlich mehr Tiger in Gefangenschaft gehalten als weltweit in freier Wildbahn leben. Seit 2003 hat der IFAW 189 in Gefangenschaft gehaltene Großkatzen befreit und sie in die Obhut von seriösen Rettungsstationen übergeben.

Auch in Deutschland dürfen in einigen Bundesländern Privatpersonen Großkatzen halten, darunter auch Tiger. Die Regelungen sind in allen Bundesländern unterschiedlich. Generell muss eine Genehmigung für die Haltung von Großkatzen vorliegen, bei geschützten Arten werden entsprechende Papiere des Washingtoner Artenschutzabkommens verlangt. Ob der Halter in der Lage ist, die Tiere artgerecht zu halten, wird aber nur in einigen Bundesländern überprüft. Deshalb fordern Tier- und Artenschutzorganisationen wie der IFAW schon lange verbindliche Gesetze, die die Haltung von Wildtieren in Privathand drastisch einschränken. Insbesondere der Handel und die Haltung von Tieren, die aus Sicht des Tier- und Artenschutzes sowie aus Gründen des Gesundheitsschutzes für den Menschen problematisch sind, muss beendet werden.