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Bereits drei Orang-Utan-Babys im Jahr 2021 gerettet

Berlin (ots), Foto: BOS Deutschland e. V

Seit Mitte Februar musste die indonesische BOS Foundation schon drei Orang-Utan-Babys in Zentral-Kalimantan retten. Die Babys sind zwischen sechs und zehn Monaten alt und damit noch vollkommen hilflos. Sie werden jetzt im BOS-Schutzzentrum Nyaru Menteng betreut. Hier erhalten sie nicht nur die notwendige medizinische Versorgung, sondern lernen in einem mehrjährigen Rehabilitationsprozess all das, was ihnen sonst in der Wildnis ihre Mutter beigebracht hätte. Wenn alles gut geht, sind sie nach sieben bis zehn Jahren Ausbildung bereit für die Auswilderung.

Onyer erholt sich im BOS-Rettungszentrum

Der zehn Monate alte männliche Säugling Onyer wurde von der indonesischen Naturschutzbehörde BKSDA im Dorf Dahian Tambuk, Gunung Mas Regency in Zentral-Kalimantan beschlagnahmt und am 15. Februar an das BOS-Rettungszentrum Nyaru Menteng übergeben. Der Dorfbewohner, der das Orang-Utan-Baby bei sich hatte, behauptete, Onyer allein in einem Waldgebiet unweit seines Feldes gefunden zu haben. Es muss davon ausgegangen werden, dass die Mutter getötet worden ist. Denn keine Orang-Utan-Mutter würde ihr Baby zurücklassen.

Bei der Erstuntersuchung in Nyaru Menteng attestierten die BOS-Tierärzte Onyer eine gute Gesundheit. Noch befindet er sich in Quarantäne und unter regelmäßigen Gesundheitskontrollen. Das ist bei jeder Orang-Utan-Rettung üblich, um keine Krankheiten ins Rettungszentrum einzuschleppen. Unter COVID-19 sind die Quarantänemaßnahmen noch strenger. Sobald Onyer die Quarantäne durchlaufen hat, wird er in die Babygruppe von Nyaru Menteng aufgenommen.

An seinem ersten Tag in Nyaru Menteng war Onyer sehr nervös. Das ist verständlich, wenn man bedenkt, dass er sich plötzlich in einer neuen Umgebung mit lauter unbekannten Gesichtern befand. Nachts war er sehr unruhig und weinte jedes Mal, sobald seine Babysitterin aufstand – vermutlich aus Angst, wieder allein gelassen zu werden.

Zum Glück hat Onyer einen recht guten Appetit, trinkt gerne seine Soja-Milch und frisst Obst. Aktuell leidet er an einem leichten grippalen Infekt, den das medizinische Team mit Inhalationen behandelt, auf die er gut anspricht. Am liebsten spielt Onyer auf der Schaukel. Auch an ersten Kletterübungen auf niedriger Höhe hat er sich schon versucht.

Ramangai brauchte dringende medizinische Hilfe

Am 1. März wurde der sechs Monate alte Ramangai von der BOS Foundation in Zusammenarbeit mit der Naturschutzbehörde BKSDA gerettet. Sieben Stunden dauerte die Fahrt des Rettungsteams in den Unterbezirk Marikit, Katingan Regency in Zentral-Kalimantan. Nach Angaben des Dorfbewohners, der ihn gefangen hielt, hatte der Ramangai im Wald entdeckt, als er auf Vogeljagd war. Der Dorfbewohner sagte, er sei schockiert gewesen, als er plötzlich ein Orang-Utan-Baby von einem Baum fallen sah, ohne jede Spur von seiner Mutter. Er habe nicht gewusst, was er tun solle, denn es wäre beschwerlich, das Baby den langen Weg aus dem Regenwald bis zu ihm nach Hause zu bringen. Doch er habe es nicht übers Herz gebracht, das Orang-Utan-Baby allein zurückzulassen. Da der Jäger wusste, dass Orang-Utans gesetzlich geschützt seien, beschloss er, das Baby doch mitzunehmen. Da er sich tief in einem entlegenen Waldgebiet befand, habe der Jäger Ramangai drei Tage lang tragen müssen, ehe er zuhause war, und ihn auf dem Weg nur mit Kaffee und Bananen füttern können. Das hatte zur Folge, dass das Orang-Utan-Baby stark dehydriert und geschwächt war. Als er zu Hause ankam, gab ihm der Dorfbewohner gesüßte Kondensmilch, in der Hoffnung, Ramangais Zustand würde sich verbessern.

Er meldete seinen Fund der Naturschutzbehörde BKSDA in Zentral-Kalimantan, die sich sofort mit Mitarbeitern der BOS Foundation auf den Weg machte. Schon auf dem Weg ins Rettungszentrum Nyaru Menteng wurde Ramangai über eine Infusion mit Flüssigkeit versorgt, da er extrem schwach und dehydriert war.

Im Rettungszentrum wurde das Baby sofort auf der Quarantänestation intensiv betreut. Ramangai war vor allem nachts sehr unruhig. Er ist schwer traumatisiert vom Verlust seiner Mutter, den zurückliegenden Erlebnissen und davon, plötzlich in eine neue Umgebung voller fremder Menschen gestoßen worden zu sein. Nach zwei Tagen der Behandlung konnte Ramangai der Tropf entfernt werden, da sich sein Flüssigkeitshaushalt normalisiert hatte. Allerdings hat er immer noch leichtes Fieber, und steht unter strenger tierärztlicher Bewachung. Im Gegensatz zu Onyer, sitzt Ramangai lieber ruhig in einem Korb, beaufsichtigt von den engagierten Babysittern der BOS Foundation.

Noch hat das Mädchen keinen Namen

Am 23. März wurde der BOS Foundation ein drittes Orang-Utan-Baby von der Naturschutzbehörde BKSDA übergeben. Noch hat das neun Monate alte Weibchen keinen Namen erhalten. Ein Bauer aus dem Dorf Muroi, Kapuas Regency in Zentral-Kalimantan hatte das Baby entdeckt. Der Bauer behauptete, das Baby gefunden zu haben, als er beim Fischen war. Er habe sich etwa eine Woche um das Orang-Utan-Mädchen gekümmert und sie mit Milchpulver gefüttert, ehe er sie freiwillig der Behörde übergab. Die BOS-Tierärzte stellten fest, dass sich der kleine Orang-Utan in einem guten Gesundheitszustand befand – mit einem großen Appetit auf Bananen und Milch. Das Mädchen befindet sich jetzt im BOS-Rettungszentrum Nyaru Menteng mit Onyer und Rawang in Quarantäne. Einige Testergebnisse aus dem Labor stehen noch aus.

Der Lebensraum wird immer knapper

„Die drei Orang-Utan-Babys, die wir jetzt in wenigen Wochen aufgenommen haben, zeigen, dass die Abholzung und unverantwortliche Ausbeutung der Waldökosysteme auf Borneo immer noch anhalten“, sagt Denny Kurniawan, Program-Manager des BOS-Rettungszentrums Nyaru Menteng. „Denn die Zerstörung ihrer Lebensräume ist es, die wilde Orang-Utans dazu zwingt, auf der Suche nach Nahrung in menschliche Gärten und Felder zu wandern – was zu Mensch-Wildtier-Konflikte führt.“ Aus diesem Grund ist die Aufklärung der Menschen auf Borneo ein wichtiger Teil der Arbeit der BOS Foundation. Wenn Orang-Utans auf der Suche nach Nahrung auf den Feldern der Bauern auftauchen, müssen diese wissen, was zu tun ist. Nämlich BOS oder die Behörden informieren, statt zur Waffe zu greifen, um ihr Einkommen oder die Versorgung ihrer Familie zu schützen.

„Keiner der drei geretteten Orang-Utans hatte körperliche Verletzungen wie Stich- oder Schusswunden“, berichtet Dr. Agus Fahroni, Tierarzt in Nyaru Menteng. „Ramangai litt jedoch unter einer schweren Dehydrierung, da die Menschen, die ihn gefunden hatten, nicht wussten, wie man einen Orang-Utan richtig versorgt.“ Jetzt erholen sich der Säugling und die beiden anderen Babys hoffentlich bald von ihrem erlittenen Trauma. Ein Heilungsprozess der lange dauern kann. „Angesichts ihres stabilen körperlichen Zustands und ihres gesunden Appetits sind wir zuversichtlich, dass sie nach Beendigung ihrer Quarantäne den Rehabilitationsprozess durchlaufen können“, meint Dr. Agus Fahroni.

„Die Nachricht der dreifachen Rettung erzeugt in mir Freude und Trauer zugleich: Freude, dem Artensterben drei Leben entrissen zu haben – Trauer, weil die Wahrheit dahinter immer drei getötete Orang-Utan-Mütter bedeutet“, sagt Daniel Merdes, Geschäftsführer von BOS Deutschland e. V.. Und Denny Kurniawan ergänzt: „Mit bestehenden Einschränkungen unserer Arbeit, zu denen uns die COVID-19-Pandemie noch immer zwingt, brauchen wir zunehmend Unterstützung von allen Seiten und aus allen Bereichen, um unsere Bemühungen zum Schutz der Orang-Utans und ihres Lebensraums fortführen zu können.“

Über BOS Deutschland e.V.

Mit einem internationalen Netzwerk an Partnerorganisationen schützt BOS Deutschland e.V. den Borneo-Orang-Utan. In zwei Rettungszentren in Indonesien werden verletzte und verwaiste Tiere aufgenommen, gesund gepflegt und rehabilitiert, so dass sie nach ihrer Ausbildung ausgewildert werden können. BOS Deutschland erschließt neue Schutzgebiete, in denen Orang-Utans wild und frei leben können und forstet zerstörte Regenwaldflächen wieder auf. Der Verein betreibt Aufklärungs- und Öffentlichkeitsarbeit, um die Menschen für die akute Notsituation des vom Aussterben bedrohten Orang-Utans zu sensibilisieren. Die Waldsicherung und die Information der Bevölkerung sind zwei weitere zentrale Tätigkeitsbereiche als Voraussetzung für die erfolgreiche Auswilderung der Tiere. www.orangutan.de

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FINDEFIX feiert Jubiläum

Foto: © Deutscher Tierschutzbund e.V.

40 Jahre Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes

Das erste Haustierregister Deutschlands wird 40. Anlässlich des Jubiläums blickt der Deutsche Tierschutzbund auf dessen Geschichte zurück und erinnert Tierhalter daran, wie wichtig die Kennzeichnung und Registrierung des tierischen Familienmitglieds ist. Das mittlerweile als FINDEFIX bekannte Register des Deutschen Tierschutzbundes vereinte in den vergangenen Jahrzehnten hunderttausende verschwundene Haustiere wieder mit ihren Besitzern. Dies entlastet nicht nur Tierheime – auch im Kampf gegen den illegalen Tierhandel sind Kennzeichnung und Registrierung unerlässlich.

„Tiere können uns nicht sagen, ob sie eine liebevolle Familie haben, die gerade verzweifelt nach ihnen sucht. Ein Haustierregister, bei dem die Besitzer das gekennzeichnete Tier angemeldet haben, hingegen schon“, sagt Daniela Rohs, Leiterin von FINDEFIX, dem Haustierregister des Deutschen Tierschutzbundes. In Zeiten des Corona-bedingten Haustierbooms, der sich auch bei FINDEFIX mit 15 Prozent mehr Neuregistrierungen bemerkbar macht, sei es wichtig, an die Registrierung zu erinnern: „Vor allem den vielen frischgebackenen Ersttierhaltern, die ihr Tier noch nicht angemeldet haben, wollen wir die Registrierung ans Herz legen. Ein Tier ist schneller verschwunden, als man meint. Und ohne FINDEFIX hätten viele Haustierbesitzer ihre verlorenen Lieblinge niemals wiedergesehen.“

Der Tierschutzbund rief das älteste Haustierregister Deutschlands 1981 ins Leben. In erster Linie war dies eine Reaktion auf damals verbreitete Tierdiebstähle durch kriminelle Versuchstierhändler. Schon von Beginn an sollte also auch der illegale Tierhandel eingedämmt werden. Da Tierdiebe Halsbänder und Marken leicht entfernen konnten, war eine sicherere und unverwechselbare Kennzeichnung der Tiere nötig. Nachdem man die ersten zehn Jahre auf Tätowierungen setzte, verbreitete sich ab 1991 die heute noch übliche Methode, Tiere mit einem Mikrochip zu kennzeichnen. Dafür injiziert der Tierarzt dem Tier einen reiskorngroßen Transponder mit Mikrochip unter die Haut. Anhand der auf dem Chip gespeicherten 15-stelligen Nummer kann ein verlorenes Tier seinem Besitzer schnell und einfach zugeordnet werden. Voraussetzung für die Wiedervereinigung durch FINDEFIX ist, dass der Halter das Tier mit Chipnummer online auf www.findefix.com oder postalisch per Formular angemeldet hat.

Seit 2017 nennt sich das Register der Tierschutzbundes FINDEFIX. Als Dachverband der deutschen Tierheime und Tierschutzvereine verfügt der Tierschutzbund über ein großes Netzwerk, das bei der Suche und Rückvermittlung verlorener Tiere hilft. Auch im Urlaub sind registrierte Tiere heute geschützt, da sich FINDEFIX mit anderen Registrierdiensten weltweit austauscht. Eine Chronik zum 40-jährigen Jubiläum ist unter www.findefix.com/ueber-uns/40-jahre-haustierregister einsehbar.

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Wie sich Ziervögel wohlfühlen

Wiesbaden, 29. März 2021,Foto:WZF/André Peukert

Vögel sehen anders als Menschen. Kurz gesagt, sehen sie „schneller“ und „bunter“. Schneller, weil viele Vögel pro Sekunde deutlich mehr Bilder als Menschen sehen. Das menschliche Auge verarbeitet maximal 65 Bilder pro Sekunde – manche Vogelarten kommen dagegen auf weit über 100. Der Fliegenschnäpper etwa löst mehr als 140 Bilder pro Sekunde auf. Das muss er auch. Schließlich will er bei der Nahrungssuche schnelle Beutetiere wie Insekten mit den Augen verfolgen und schnappen.

Bunter sehen Vögel, weil sie über vier Farbrezeptoren verfügen. Wir Menschen besitzen nur drei: für Rot, Grün und Blau. Vögel können im blauen und violetten Spektrum (UV-A Bereich) besser Farben unterscheiden als wir Menschen. Was für uns schon „UV“ ist, nehmen viele Vögel noch als Licht wahr. Wegen der vier Farbrezeptoren bezeichnet man Vögel auch als „Tetrachromaten“, was so viel wie „Vierfarbseher“ bedeutet.

Einige Vögel, wie Greifvögel, zeigen auch eine deutlich höhere Sehschärfe. Bei ihnen ist die Auflösung in für die Sichtjagd wichtigen Bereichen des Auges im Vergleich zum Menschen drastisch erhöht. So erklärt sich auch das sprichwörtliche „Adlerauge“.

Bei solch großen Unterschieden in der Optik ist es klar, dass Menschen und Vögel die Beleuchtung in Wohnräumen unterschiedlich wahrnehmen: Was für Menschen als angenehm gilt, kann für das Vogelauge flackernd wirken. „Für das Wohl der Ziervögel ist deshalb zu empfehlen, neben der Flackerfreiheit für ein passendes Lichtspektrum und passende Helligkeit zu sorgen“, erklärt ZZF-Heimtierreferent und Biologe Dr. Stefan Hetz.

Ein Platz an der Sonne?

In einem vogelgerechten Raum kommt das Licht idealerweise von oben. Um dem Bedürfnis des Vogels nach mehr Helligkeit zu entsprechen, könnten Vogelhalter die Voliere ans Fenster stellen. Allerdings kommt bei geschlossenem Fenster durch das Glas keine blau-violette Strahlung, wichtig für die Synthese des Vitamins D3, in ausreichender Stärke beim Vogel an. Ein zugfreier Platz am geöffneten Fenster wäre in den Sommermonaten eine gute Möglichkeit für mehr Licht, aber natürlich nur, wenn der Vogel nicht gerade frei fliegt. Um Stress für die Vögel, die ja auch Beutetiere sind, zu vermeiden, ist es wichtig, dass die Voliere vom Fenster aus nicht komplett einsehbar ist: Der Vogel braucht auch Rückzugsmöglichkeiten sowie Schattenplätze.

Für jeden Zweck die passende Leuchte

Tierhalter können auch mit zusätzlichen Leuchten für angenehme Lichtverhältnisse sorgen: Die Vogellampen sollten ein tageslichtähnliches Spektrum aufweisen, manchmal wird die Farbtemperatur in Kelvin (K) angegeben. Sie sollte dann zwischen 5000 und 6500 K liegen. Gut ist es auch, wenn im blau-violetten Spektralbereich (UV) etwas mehr Licht abgegeben wird. Geeignet sind auch UV-Lampen, die der Zoofachhandel für Terrarientiere anbietet.

Für eine gleichzeitige hohe Lichtausbeute kommen technisch Metalldampflampen, LEDs und Leuchtstoffröhren zum Einsatz. Die ersteren beiden erreichen als Punktstrahler eine hohe Beleuchtungsstärke, die Leuchtstoffröhren sind etwas weniger hell. Metalldampflampen werden mit hohen Frequenzen betrieben, sind träge und flackern deshalb nicht. Lichtstärke und UV-Ausbeute für die Synthese von Vitamin D3 sind sehr hoch, so dass oft sogar ein Schutzglas verwendet wird, um diese abzumindern. Lichtstärke und UV-Ausbeute sind sehr hoch, so dass oft sogar ein Schutzglas als UV-Filter verwendet wird. LEDs können mit Gleichstrom oder sehr hohen Frequenzen betrieben werden und flackern ebenfalls nicht. Bei Leuchtstoffröhren gibt es zwei Möglichkeiten, das Flackern zu verringern: trägere Leuchtstoffe und eine höhere Betriebsfrequenz. In Verbindung mit einem erhöhten blau-violetten Spektralbereich sind diese Lampen für Vögel sehr gut geeignet.

Hell am Tag – dunkel in der Nacht

Außer der ausreichenden Helligkeit ist ein deutlicher Tag-Nacht-Rhythmus entscheidend für einen erholsamen Schlaf und die innere Uhr des Vogels. Vögel brauchen eine ausreichend lange Dunkelphase. Das Licht muss dafür nachts ausgeschaltet sein und der Raum dunkel, sonst kann der Vogel nicht schlafen oder hat einen unterbrochenen Schlaf. „Das Abdecken des Vogelkäfigs mit einem Tuch ist jedoch keine Alternative“, betont Dr. Hetz. Wenn der Vogel seine Aktivität nach dem Licht ausrichtet, frühmorgens aktiv ist und sich gegen Abend am Schlafplatz aufhält, fühlt er sich wohl.

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Junghasen nicht der Natur entnehmen

Mainz (ots), Foto: Timo Litters

Fachkundigen Rat und einige hundert Pflegestellen für kleine und große Wildtiere, für Sing- und für Greifvögel, für Fledermäuse und für Gartenschläfer finden sich über die Internetpräsenz von Wildtierschutz Deutschland. Es ist das wohl umfangreichste Verzeichnis von Wildtierpflegestellen in Deutschland.

Schon im März beginnt die Zeit, in der die Telefone der meist privaten Wildtierhelfer heiß laufen. Häufig ist es so, dass dem Finder eines Wildtieres mit gutem Rat geholfen ist. Zum Beispiel, wenn wir ihm sagen, dass er den befiederten Jungvogel guten Gewissens wieder unter den Busch setzen kann, weil die Eltern ihn dort versorgen. In den letzten Wochen gab auch immer wieder Anrufer, die Frischlinge führungslos am Straßenrand beobachtet haben. Eine Konsequenz der auf politische Entscheidungen zurückzuführenden Missachtung des Elterntierschutzes bei der Jagd auf Wildschweine. In diesen Fällen kann nur die Polizei informiert werden, die sich wiederum mit dem Jagdpächter in Verbindung setzt.

Hilfe benötigen Tiere, die offensichtlich verletzt sind oder sich in akuter Lebensgefahr befinden. Wildtierpfleger klagen in den letzten Jahren immer häufiger über verletzte Igel. Der unbedachte Umgang mit motorisierten Gartenhelfern, ob Motorsense oder Rasenroboter, zollt seinen Tribut. Auch werden Schwäne und Gänse mit Angelhaken im Schnabel gemeldet oder von Fassaden abgestürzte Eichhörnchen.

Leider kommt es aber auch sehr häufig dazu, dass Wildtiere der Natur entnommen werden, die nur vermeintlich hilflos sind – wie das Rehkitz oder eben der Feldhase. Beide Jungtiere werden von ihren Müttern im Gras, am Feldrand oder in einer Ackerfurche abgelegt und nur zum Säugen aufgesucht. Diese Tierkinder bedürfen in der Regel nicht der Hilfe von uns Menschen und sollten ungestört zurückgelassen werden.

Während Rehkitze ab Ende Mai auf die Welt kommen, gebärt die Häsin meist zwischen Januar und Oktober drei- bis viermal bis zu fünf Junge. Die enormen Geburtsraten sind der hohen Sterblichkeit durch Wettereinflüsse und Feinde geschuldet, helfen den Feldhasen aber kaum noch. Zu viele Tiere werden durch landwirtschaftliche Maschinen überfahren, finden keine geeigneten Lebensräume oder auch nicht mehr die für ihre Ernährung so wichtige „Hasenapotheke“. Die besteht aus einer Vielzahl von Gräsern und Kräutern. Zu allem Überfluss werden jedes Jahr auch noch über 200.000 der in der aktuellen Roten Liste als gefährdet aufgeführten Feldhasen im Rahmen der Jagd getötet.

Grundsätzlich rät Wildtierschutz Deutschland dazu, sich beim geringsten Zweifel jeweils vor der Entnahme eines Wildtieres aus der Natur bei einer Wildtierstation zu erkundigen. Sinnvoll ist es auch, zunächst ein Foto des Tieres an die Wildtierstation zu senden und anschließend ein Beratungsgespräch mit den Experten zu führen.

Das Verzeichnis der Wildtierstationen findet man über www.wildtierschutz-deutschland.de. Es bietet eine nach Wildtierarten gegliederte Übersicht zu bundesweit tätigen Organisationen und Pflegestellen und ein Verzeichnis von Auffang- und Beratungsstellen nach Postleitzahlen.

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Über Wildtierschutz Deutschland e.V.:

Wildtierschutz Deutschland wurde 2011 gegründet und setzt sich seitdem gegen tierquälerische Jagdmethoden ein und für eine Reduzierung der jagdbaren Arten auf die Tierarten, für die ein vernünftiger Grund zur Bejagung im Sinne des Tierschutzgesetzes besteht. Außerdem engagiert sich der Verein für die Aufnahme, Versorgung und Auswilderung von in Not geratenen Wildtieren.

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Körper und Geist auf Trab bringen – auch bei Hunden

Bonn (ots), Foto: Bundesverband für Tiergesundheit e.V.

Beschäftigungsspiele vertreiben die Langeweile an weniger schönen Tagen. Wichtig ist es, die eigenen Grenzen der Leistungsfähigkeit und die des Vierbeiners richtig einzuschätzen.

In den zurückliegenden Corona-Monaten sind viele Tierliebhaber auf den Hund gekommen. Die Beschäftigung mit einem Tier scheint eine echte Alternative zum fehlenden Freizeitangebot zu sein. Die frisch gebackenen Hundefreunde schätzen vor allem die Aktivität ihrer vierbeinigen Familienmitglieder. Wenn der Hund ums Gassi gehen bettelt, ist es einfach leichter, selbst vom Sofa hochzukommen.

Ob Wanderungen oder Fahrradtouren mit dem Hund – stets sollte man darauf achten, sich selbst, aber auch den Hund nicht zu überfordern. Bei einem gesunden Hund in den besten Jahren ist die Gefahr eher klein. Seine Ausdauer dürfte die von Herrchen und Frauchen bei weitem übertreffen. Welpen aber oder alte und gesundheitlich angeschlagene Tiere dürfen nicht über die Maßen belastet werden. Darin unterscheiden sie sich nicht vom Menschen. Die Knochen, Gelenke und Bänder sind bei jungen Hunden noch nicht stabil und nicht auf lange Spaziergänge oder wildes Toben ausgelegt. Auch die Muskulatur ist noch nicht ausreichend ausgebildet. Bei Überlastungen können bleibende Schäden an Gelenken und Knochenapparat die Folge sein. Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Gelenkbeschwerden können die Aktivität eines älteren Hundes stark einschränken. Hier gilt lieber mehrere kleine Gänge als stundenlange Touren. Auch Rasse, Größe und Trainingszustand spielen eine Rolle. Ist der Hund fit genug für eine längere Wanderung oder gar eine Fahrradtour? Gerade bei ungewohnten Belastungen ist die Leistungsgrenze schnell erreicht. Andererseits ist ein sehr agiler Hund eine echte Herausforderung für weniger gut trainierte Menschen.

Natürlich gibt es auch Tage, an denen man „keinen Hund vor die Tür jagen möchte“. Dann sind Indoorspiele geeignet, um einen physischen und psychischen Ausgleich zu schaffen. Die spielerische Beschäftigung miteinander verbessert außerdem die Bindung zwischen Mensch und Tier. Für sinnvolle Spiele braucht man in der Wohnung nicht viel Platz, mit Kreativität oder Anleitung lässt sich die Langeweile gut vertreiben. Grundsätzlich geeignet sind Spiele, die auf den natürlichen Instinkten eines Hundes aufbauen, beim Suchen, Finden oder Schnüffeln kann keine Fellnase widerstehen. Bewegungsspiele fördern die Muskulatur, die Gelenke oder die Koordinationsfähigkeit des Hundes. Viel Interaktion zwischen Halter und Tier verbessert das Vertrauen und macht aus beiden ein echtes Team. Selbst kompliziertere Intelligenzspiele machen dem Hund Spaß und ermüden ihn gleichzeitig. Auch hierbei gilt es, den Hund nicht zu überfordern. Hundeprofis empfehlen fünfzehnminütige Spiele-Einheiten über den Tag verteilt.

Und natürlich gilt, dass Spielen den regelmäßigen Spaziergang nicht ersetzen kann. Eine gute Faustregel für den „Durchschnittshund“: Zweimal am Tag eine größere oder kleinere Runde Gassi gehen, egal ob es nun regnet oder ob die Sonne scheint.