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Islands Fischereiministerin signalisiert Ende des Walfangs

Die isländische Regierung hat jetzt öffentlich bekannt gegeben, dass es keine neuen Walfangquoten für eine Unternehmung ohne wirtschaftlichen Profit für das Land geben werde und signalisiert damit das Ende des Walfangs.

Svandis Svavarsdottir, isländische Ministerin für Fischerei, sagte gegenüber Medien, dass die Regierung dieses Jahr zunächst eine Studie zu den potentiellen ökonomischen und sozialen Auswirkungen anfertigen lassen. Sie erwarte, dass der Walfang keine ökonomische Signifikanz für das Land habe und es daher wohl keine neuen Walfangquoten ab 2024 geben würde.

„Japan war der größte Exportmarkt, aber der Konsum von Walfleisch in Japan ist über die letzten Jahre immer weiter zurückgegangen. Warum sollte Island das Risiko anhaltenden Walfangs eingehen, wenn er dem Land keinen ökonomischen Gewinn gebracht hat und um ein Produkt zu verkaufen, für das es so gut wie keine Nachfrage gibt?“ fragt Ministerin Svavarsdottir in der isländischen Zeitung Morgunbladid.

„Wir hatten nicht mehr daran geglaubt, so eine offizielle Ankündigung zu hören, sie ist fantastisch,“ sagt Andreas Dinkelmeyer, Campaigns und Communication Manager, International Fund for Animal Welfare (IFAW) in Deutschland. „Die Äußerungen der isländischen Fischereiministerin legen nahe, dass die Regierung seine Walfangpolitik neu evaluiert und eine ähnliche Einschätzung hat, wie die Mehrheit der restlichen Welt: Walfang ist grausam, überholt und ökonomisch unsinnig.“

Frau Svavarsdottir zitierte das Ausbleiben des isländischen Walfangs in den letzten drei Jahren wie auch die geringe wirtschaftliche Relevanz der Aktivität für Island als Gründe ihrer Skepsis gegenüber neuer Walfangquoten. Island hatte lange versucht Märkte für sein Walfleisch in Japan und Norwegen zu finden, ohne Erfolg. Dem gegenüber stehen erhebliche wirtschaftliche Nachteile, die der isländischen Wirtschaft aufgrund des Walfangs entstanden sind, wie etwa dem aussetzt der Vermarktung isländischer Produkte durch die US Kette Whole Food Market.

„In 2020 gaben schon die Zwergwalfänger aufgrund fehlender wirtschaftlicher Perspektiven auf,“ so Dinkelmeyer weiter. „Es bleibt nur noch der Finnwalfänger Kristjan Loftsson. Offiziell hat er noch eine Fangerlaubnis für Finnwale, diese er allerdings seit 2018 nicht genutzt. Wir erwarten, dass es so bliebt.“

Gemeinsam mit lokalen Whalewatching-Firmen hatte der IFAW die Kampagne „Meet Us Don’t Eat Us“ gestartet, um Touristen darauf aufmerksam zu machen, dass ihr Walfleischkonsum den Walfang am Leben hielt. Durch die Kampagne sank der Walfleischverbrauch durch Besucher der Insel deutlich.

Im Gegensatz zu dem begrenzten lokalen Markt für Zwergwalfleisch wurde das Fleisch der Finnwale seit 2010 ausschließlich nach Japan verkauft, ohne einen Exportmarkt etablieren zu können.

Walfang spielt auch in der politischen Arena Islands kaum noch eine Rolle. Jahrzehntelang war Walfang Wahlkampfthema, seit 2016 hat er an Bedeutung verloren. Junge Wähler sorgen sich eher um die Klimakrise und den positiven Beitrag, den Wale leisten, Ökosysteme in den Meeren gesund zu erhalten und Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu binden.

Seit 2003, dem Jahr, in dem Island den kommerziellen Walfang wiederaufnahm, wurden in Island 653 Zwergwale und 852 Finnwale erlegt, insgesamt 1.505 Wale. Der IFAW arbeitet seit 2003 mit Isländern daran, verantwortungsvolles Whalewatching zu fördern und Alternativen zum grausamen Walfang zu bewerben.

Whalewatching ist eine der Top Attraktionen für Touristen in Island. Vor Corona generierten mehr als 350.000 Kunden jedes Jahr etwa 20 Millionen Euro und beweisen damit, dass Wale lebend weit mehr wert sind als tot.

Der IFAW (International Fund for Animal Welfare) ist eine weltweit tätige gemeinnützige Organisation für die bessere Koexistenz von Tieren und Menschen. Wir sind in mehr als 40 Ländern der Welt und auf den Meeren im Einsatz. Wir retten und pflegen Tiere, wildern sie wieder aus und bewahren und schützen ihre natürlichen Lebensräume. Die Probleme, denen wir uns stellen, sind drängend und komplex. Um sie zu lösen, brauchen wir mutiges Handeln und kluges Denken. Wir arbeiten mit Gemeinden, Regierungen, anderen NGOs und Unternehmen zusammen. Gemeinsam finden wir neue und innovative Wege, damit sich alle Arten in ihrem Lebensraum entwickeln können. So geht’s: www.ifaw.org