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Schonzeitverkürzung für Füchse in Baden-Württemberg stößt auf Kritik

Foto: Timo Litters, Wildtierschutz Deutschland e.V.
 

Peter Hauk (CDU) hält die Tötung von zur Aufzucht erforderlichen Elterntieren aus Tierschutzsicht für vertretbar

Hauk verantwortet in der von B90/Die Grünen geführten Landesregierung in Baden-Württemberg seit diesem Sommer erneut das Landwirtschaftsministerium. Bereits 2015 wurde unter seinem Vorgänger Alexander Bonde (Grüne) das Landesjagdgesetz reformiert. Das neue Jagd- und Wildtiermanagementgesetz – kurz JWMG – sollte das in die Jahre gekommene Regelwerk unter Berücksichtigung gesellschaftlicher Entwicklungen modernisieren. Wesentliche Neuerungen waren u.a. die Einführung von Managementgruppen für die dem Jagdrecht zugeordneten Tierarten und einer allgemeinen zweimonatigen Schonzeit für alle Wildtiere, das Verbot Hunde und Katzen im Rahmen des Jagdschutzes zu töten, die Einschränkung der Nutzung von Totschlagfallen, das Verbot der Baujagd auf Füchse und Dachse im Naturbau, nicht aber im eigens dafür angelegten Kunstbau.

Die allgemeine Schonzeit, die den Wildtieren während der Setz-, der Brut- und der Aufzuchtzeit nach dem Winter etwas Ruhe vor jagdlicher Nachstellung gewähren sollte, wurde wohl auf Druck des Landesjagdverbandes bereits mit der Einführung des JWMG durch die Ausnahme, Wildschweine zu bejagen, konterkariert. Inzwischen ermöglichte Hauk wohl mittels allgemeiner und unbegrenzter Ermächtigung die beliebige Aussetzung dieser Jagdruhe auf dem parlamentarisch nicht steuerbaren Verordnungsweg und führt so das Gesetz in diesem Punkt ad absurdum.

Nun hat der Minister per Verordnung zum 1. Juli d.J. erwirkt, dass etliche Schonzeiten während der Aufzuchtzeit von Jungtieren um einen ganzen Monat von bisher 30. Juli auf nun den 30. Juni verkürzt werden. Hauk nimmt damit billigend in Kauf, dass die Elterntiere von gerade mal sechs Wochen alten Fuchswelpen im Rahmen der Jagd getötet werden und letztere somit verhungern. Selbstständig sind junge Füchse erst im Alter von etwa drei bis vier Monaten. Die Verkürzung der Schonzeit begründet der Minister wie folgt: “Zwar sind die Jungfüchse im Juli unter Umständen noch nicht vollständig raubmündig, allerdings ist die Vorverlegung unter Abwägung der Belange von Elterntierschutz und Artenschutz vertretbar.” Übersetzt heißt das: “Jungfüchse können sich zwar noch nicht selbständig ernähren, aus Tierschutzsicht und wegen des Artenschutzes ist das aber vertretbar”.

Apropos Artenschutz: Auch auf Nachfrage konnte Hauks Ministerium uns nicht widerlegen, dass die willkürlich ausgeübte Fuchsjagd in Baden-Württemberg gar keine stabilisierende Auswirkung auf die Bestände von gefährdeten Tierarten hat. Trotz intensiver Fuchsjagd ist z.B. das Rebhuhn in vielen Regionen Baden-Württembergs bereits ausgestorben. Nicht einmal der letzte Wildtierbericht aus 2018 gibt fundierte Hinweise auf ein Erfordernis der Fuchsjagd hinsichtlich des Artenschutzes. Wohl aber bestätigt er die Angemessenheit der bisherigen Schonzeit für Füchse bis zum 31. Juli eines Jahres.

Erschreckend ist allerdings ebenso, dass Reinhold Pix, Sprecher der Grünen für Wald, Wild und Wein, ins gleiche Horn bläst. Pix hält es für erforderlich, dass in Baden-Württemberg Jahr für Jahr 50 bis 70 Tausend Füchse erschossen werden, obwohl man seit Jahrzehnten durch die Fuchsjagd im Ländle keine messbaren Artenschutzerfolge erzielt, eine Verwertung der Fuchsfelle in der Regel nicht erfolgt, die artinterne Geburtenregulierung durch die Jagd zerstört wird und es zahlreiche Belege dafür gibt, dass Fuchsbestände in Deutschland und im Ausland ohne jegliche Jagd weder zunehmen, noch epidemiologisch auffallen.

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Die ganze Brutalität der Jungfuchsjagd

Berlin (ots), Foto: Jo Kurz, Wildtierschutz Deutschland e.V.

Über Bilder, welche Fallen für Fuchswelpen zeigen, die direkt in die Eingänge der Baue montiert sind, empören sich Tierfreunde aus gutem Grund. Diese Art der Jagd ist in unseren Augen nichts als Tierquälerei.

Dabei vermittelt das Bild noch nicht einmal ansatzweise die Grausamkeiten, die Jäger beim Einsatz solcher Methoden bereitwillig in Kauf nehmen. Das wird deutlich in einer Abschlussarbeit zum Jagdwirt, die der in Hessen gebürtige Kleintierjäger Hildebrandt am Institut für Wildbiologie und Jagdwirtschaft an der Universität für Bodenkultur Wien eingereicht hatte. Dort beschreibt er, wie man seiner Meinung nach durch die Tötung von Fuchswelpen die Zahl der Feldhasen zur eigenen jagdlichen Nutzung steigern könne.

Zum Thema Jungfuchsfallen heißt es dort auf den Seiten 40-41: “Die darin gefangenen Jungfüchse sind mit einem gezielten Kleinkaliber-Schuss zu erlegen. Nachdem einige Jungfüchse gefangen sind, sollte man mindestens nach dem Fang des letzten Jungfuchses die Falle noch weitere fünf Tage eingebaut lassen und kontrollieren. Meine Erfahrungen haben gezeigt, dass selbst nach sechs Tagen noch der aller letzte Jungfuchs in die Falle läuft.”

Hildebrand berichtet weiter, dass sämtliche weiteren Zugänge zum Bau verschlossen werden: “Die Jungfuchsfallen müssen fast komplett in die Röhren eingebaut werden und am noch herausstehenden Teil nach oben hin gegen schlechte Witterung geschützt werden. Zusätzlich empfiehlt es sich, diese Fallen mit einem stabilen Hering aus Draht zu verankern. Ist die Falle eingebaut, kontrolliert man noch die Beweglichkeit der Fangklappen, um auszuschließen, dass die nach oben gedrückte Klappe zum Beispiel durch Wurzeln oben gehalten wird und so die Jungfüchse wieder aus der Falle in den Bau zurück laufen können. Alle anderen Röhren, die noch zu dem Fuchsbau gehören, aber nicht sehr stark belaufen sind, sind abzusuchen und gegen Ein- und Auslaufen zu verstopfen. Hierzu empfiehlt es sich, ca. 50 cm bis 100 cm lange Fichtenstangen o.ä. dabei zu haben, um die Röhren massiv zu verkeilen. Nach Einbau der Fallen ist es ratsam, den Jungfuchsbau mit menschlicher Witterung zu verwittern. Hierfür kann man das verschwitzte, grüne Hemd oder T-Shirt in die darüber liegenden Sträucher hängen oder um den Jungfuchsbau herum “nässen”. Damit wird verhindert, dass Altfüchse von außen die Röhren freigraben und ihre Jungfüchse befreien.”

Zurückgebliebene Welpen bleiben so ohne Nahrung … bis das Killerkommando kommt oder sie verhungert sind. Im Klartext bedeutet das, dass beim Einsatz von Jungfuchsfallen den noch im Bau befindlichen Welpen die Versorgung durch die Elterntiere verwehrt wird und die Welpen bis zu sechs Tage lang an Hunger, Durst und Vernachlässigung leiden. Sie erleben währenddessen, wie ihre Geschwister in die Falle tappen und erschossen werden und haben selbst schließlich nur die Wahl, im Bau zu sterben oder sich mit letzter Kraft auch in die Falle zu schleppen, wo ebenfalls der sichere Tod auf sie wartet.

Der Autor spricht sich in derselben Arbeit auf Seite 49 übrigens auch völlig ungeniert für die intensive Bejagung trächtiger Fuchsfähen im Rahmen von revierübergreifenden Fuchsjagdwochenenden im Januar/Februar aus. Er zeigt zum Beweis sogar ein eigenes Foto, auf dem der aufgeschlitzte Bauch einer trächtigen Fähe zu sehen ist.

Wer also denkt, “Jäger machen sowas nicht”, irrt sich gewaltig: Die Grausamkeit solcher Handlungen sowie die Selbstverständlichkeit und Kälte, mit der Befürworter der Fuchsjagd nicht nur darüber berichten, sondern Gleichgesinnte auch zu entsprechenden Handlungen anleiten, lassen tief blicken. Und dennoch sind diese Praktiken auch hierzulande weit verbreitet und meist sogar legal. Das muss sich ändern!

“Es ist wirklich an der Zeit, dass endlich auch bei der Jagd der Tierschutz angemessen berücksichtigt wird”, sagt Lovis Kauertz, Vorsitzender von Wildtierschutz Deutschland. “Wir müssen wenigstens mal dahin kommen, dass offensichtlich tierquälerische Jagdmethoden tabu sind und dass ausschließlich Tiere bejagt werden, für die es einen vernünftigen Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes gibt. Für den Fuchs gilt das unseres Erachtens nicht.”

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Bitte zeichnen Sie unsere Petition https://www.change.org/stopkilling

Warum es für die Fuchsjagd keinen vernünftigen Grund gibt

Quelle: “Möglichkeiten der Besatzsteigerung und Bewirtschaften von Feldhasenbesätzen“, 2011, von Christoph Hildebrandt, (gefunden beim Landesjagdverband NRW)

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Über Wildtierschutz Deutschland e.V.: Wildtierschutz Deutschland wurde 2011 gegründet und setzt sich seitdem gegen tierquälerische Jagdmethoden ein und für eine Reduzierung der jagdbaren Arten auf die Tierarten, für die ein vernünftiger Grund zur Bejagung im Sinne des Tierschutzgesetzes besteht. Außerdem engagiert sich der Verein für die Aufnahme, Versorgung und Auswilderung von in Not geratenen Wildtieren.

Mitbegründer des www.aktionsbuendnis-fuchs.de Mitglied der Deutschen Juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht (DJGT)