Veröffentlicht am

Corona-Hilfen für Tierheime sind wichtiges Signal

Foto: Tomas Rodriguez

Die intensive politische Arbeit des Deutschen Tierschutzbundes für die ihm angeschlossenen Tierschutzvereine trägt Früchte: Die Bundesregierung stellt im Bundeshaushalt 2021 fünf Millionen Euro zur Verbesserung der Situation in den Tierheimen und ähnlichen Einrichtungen zur Verfügung. Die „Corona-Tierheimhilfen“ sollen Mindereinnahmen durch die Pandemieeinschränkungen auffangen, einen Beitrag zum Fortbestehen der durch die Corona-Krise erheblich getroffenen Vereine leisten und das Tierwohl unter diesen besonderen Bedingungen gewährleisten.

„Die Gelder sind eine willkommene konkrete Hilfe und ein wichtiges Signal für die Tierheime, die durch die Krise mit finanziellen Einbrüchen und zusätzlichen Auflagen zu kämpfen haben“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Wir sind froh, dass die SPD-Haushälter dieses Paket erkämpfen konnten und das Bundesumweltministerium nun für jedes Tierheim 7.500 Euro bereitstellt. Auch wenn diese Gelder nicht alle Sorgen nehmen können, sind sie doch eine Würdigung der Leistungen, die die Tierheime erbringen.“ Unverständlich bleibt aus Sicht des Verbandes, warum das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) es ablehnte, die durch den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages beschlossene „Corona-Tierheimhilfe“ in den BMEL-Etat aufzunehmen. „Von dem für Tierschutz zuständigen Ministerium hätten wir mehr Engagement erwartet“, kommentiert Schröder.

Corona-Krise bringt Tierheime in finanzielle Notlage

Bei vielen Tierheimen hat die Corona-Krise ein großes Loch in den Haushalt gerissen. Normalerweise eingeplante und wichtige Einnahmen aus Festen, Basaren und Flohmärkten brechen weg, ebenso Einnahmen durch Pensionstiere. Bei 56 Prozent der dem Deutschen Tierschutzbund angeschlossenen Tierheime sind die Spendeneinnahmen gesunken; 50 Prozent mussten die Rücklagen teilweise oder ganz aufzehren. Viele Tierschutzvereine als Träger der Tierheime und tierheimähnlichen Einrichtungen, die sich größtenteils aus Spenden finanzieren, stehen damit vor massiven Problemen, zumal viele auch schon vor der Krise finanziell nicht besonders gut dastanden. Mit der Kampagne „Tierheime helfen. Helft Tierheimen!“ macht der Tierschutzbund als Dachverband von über 740 Tierschutzvereinen und rund 550 Tierheimen auf die wertvolle Arbeit der Tierheime und ihre aktuelle Situation aufmerksam.

Veröffentlicht am

Tierheime kämpfen verstärkt mit Anfeindungen

Foto: Tomas Rodriguez / Deutscher Tierschutzbund

Viele Tierheime in Deutschland haben vermehrt mit Anfeindungen zu kämpfen. Der Corona-bedingte Haustierboom und Fälle von illegalem Welpenhandel sorgen aktuell vielerorts für eine Flut von Adoptionsanfragen, die kaum bewältigt und bei der zwangsläufig nicht jeder Interessent bedient werden kann. Auch jetzt schauen die Tierheime genau hin, um sicherzustellen, dass ein Tier in ein geeignetes Zuhause zieht. Wenn Interessenten eine Absage erhalten oder eine Rückmeldung länger dauert kommt es immer wieder zu Vorwürfen, Beleidigungen, Handgreiflichkeiten sowie Gewaltandrohungen.

„Die Nachfrage nach Tieren ist gerade enorm und es freut uns, wenn Interessenten den Weg ins Tierheim suchen, anstatt auf dubiose Onlineanzeigen hereinzufallen. Egal, wie groß der Wunsch nach einem Haustier ist: Es sollte dabei klar sein, dass ein Tierheim kein Supermarkt ist, wo man Hund, Katze und Co. einfach mitnehmen kann. Wir werben um Verständnis, dass die Tierheime mit besonderer Sorgfalt im Sinne des Tieres entscheiden. Zudem kämpfen auch die Tierheime mit Pandemieauflagen, wodurch oft zusätzlicher Verwaltungsaufwand entsteht. Mal eben schnell ein Tier aus dem Tierheim kaufen, das sollte nicht der Anspruch sein“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes.

Mit dem derzeitigen Ausmaß der Anfeindungen erreicht eine jahrelange Entwicklung ihren vorläufigen Höhenpunkt. Die Anspruchshaltung scheint durch die Corona-Krise und die regelrechte Gier – vor allem nach Welpen – verschärft und die Menschen seien fordernder und ungeduldiger, berichten einige der dem Tierschutzbund angeschlossenen Tierheime. Was Interessenten häufig nicht wissen: Viele Helfer in den Tierschutzvereinen arbeiten ehrenamtlich, es gibt dort weder Lockdown noch Homeoffice. Ebenso fehlt oft das Verständnis, wenn manche Tiere nicht direkt zur Vermittlung stehen. So sind beschlagnahmte Welpen aus illegalem Handel oft schwer krank und müssen erst aufgepäppelt werden oder über einen längeren Zeitraum in Quarantäne. Frustrierte Interessenten machen ihrem Unmut persönlich oder über soziale Medien Luft, auch zu Bestechungs- und Erpressungsversuchen ist es bereits gekommen. Wird das gewünschte Tier anderweitig in ein passendes Zuhause vermittelt, hagelt es schlechte Bewertungen und die Abgewiesenen drohen immer häufiger mit einem Anwalt, der Presse, körperlicher Gewalt und sogar mit Mord. Auch zu Handgreiflichkeiten und Einbrüchen ist es bereits gekommen.

Trotz aller Herausforderungen – die Tierschützer sind dankbar, dass es auch sehr viele Tierfreunde gibt, die einem Tierheimtier ein vorbildliches „Zuhause-für-immer“ schenken, eine Spende übermitteln oder auch einfach mal einen Kuchen vorbeibringen. „Diese tollen Menschen geben Antrieb und Kraft, weiterzumachen. Und die vielen glücklichen Familien, die ein Tier aus dem Tierheim aufnehmen konnten, lassen so manchen Ärger zum Glück auch vergessen machen“, so Schröder.

Zur Kampagne „Tierheime helfen. Helft Tierheimen!“

Dem Deutschen Tierschutzbund sind über 740 Tierschutzvereine mit rund 550 vereinseigenen Tierheimen angeschlossen. Im Rahmen seiner Kampagne „Tierheime helfen. Helft Tierheimen!“ klärt der Dachverband über die Situation der Tierheime in Corona-Zeiten auf. Interessenten, die überlegen, ein Tier bei sich aufzunehmen, finden auf der Kampagnenwebsite www.tierheime-helfen.de Tipps, welche Voraussetzungen für die Tierhaltung erfüllt sein sollten und wie man das passende Haustier findet. Der Tierschutzbund erklärt dort ebenso, warum es mit der Adoption eines Tierheimtieres manchmal auch nicht klappt.