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Tierschutzzentrum Weidefeld nimmt Schnappschildkröte auf

Tierschutzzentrum Weidefeld nimmt Schnappschildkröte auf: Fundtier „Morla“ wohnt nun sicher in der Reptilienstation

Das Tierschutzzentrum Weidefeld des Deutschen Tierschutzbundes hat eine Schnappschildkröte aufgenommen, die Anfang Juni in der Gemeinde Fockbek unterwegs war. Als Fundtier wurde „Morla“ von der Polizei zunächst in das Tierheim Rendsburg gebracht. Da dort aber weder die räumlichen Möglichkeiten noch das speziell nötige Fachwissen gegeben waren, um das exotische Wildtier artgerecht zu halten, zog die Schildkröte in die Reptilienstation des Tierschutzzentrums in Kappeln an der Schlei. Schildkröten wie die invasive und für Menschen durchaus gefährliche Schnappschildkröte werden jedes Jahr tausendfach ausgesetzt. Ihre Haltung stellt Tierheime und Auffangstationen immer wieder vor Probleme.

„Wer ein exotisches Tier einfach aussetzt, handelt verantwortungslos! Schnappschildkröten gelten als extrem bissig und können Menschen im schlimmsten Fall schwere Verletzungen zufügen. Ausgesetzt haben sie außerdem hohes Invasivpotential: Sie breiten sich leicht aus und gefährden andere Tier- und Pflanzenarten und damit auch die heimischen Ökosysteme. Mittlerweile sind die private Haltung sowie Zucht und Handel mit der gebietsfremden Art deshalb bundesweit verboten“, sagt Patrick Boncourt, Reptilienexperte im Tierschutzzentrum Weidefeld des Deutschen Tierschutzbundes.

Haltung von Schnappschildkröten illegal

Noch in den 1980er Jahren wurden Schnappschildkrötenbabys zu Tausenden legal in den Zoohandlungen verkauft. Durch das Verbot 1999 trauen sich mit der anspruchsvollen Haltung überforderte Schildkrötenbesitzer nun im Bedarfsfall nicht mehr, die Tiere in einer qualifizierten Auffangstation abzugeben – und setzen ihre Schnappschildkröten, die wahrscheinlich durchaus bis zu 100 Jahre alt werden können, stattdessen reihenweise aus.

Exoten stellen Tierheime vor Probleme

Für Tierheime und Auffangstationen bedeuten abgegebene exotische Wildtiere eine Aufgabe, die finanziell, personell und räumlich oft kaum zu bewältigen ist. Fast die Hälfte der deutschen Tierheime ist nicht für die Haltung von Exoten ausgelegt und vermittelt diese, sofern möglich, an spezialisierte Auffangstationen wie das Tierschutzzentrum Weidefeld des Deutschen Tierschutzbundes. In der dort errichteten Reptilienstation wurden seit 2017 138 Land- und Wasserschildkröten, 119 Schlangen und 30 Echsen versorgt. Die Tiere leben in großen Terrarien, Teichanlagen mit Innen- und Außenbereichen sowie einer Freianlage. Auch Morla durfte nach einer einwöchigen Quarantäne in dieser Woche in einen großzügigen, schnappschildkröten-sicheren Teich umziehen.