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Blutige Legehennen: Das Schnabelkürzverbot ist ohne bessere Haltung verantwortungslos

Tierschützer stellen Kernforderungen an den Lebensmitteleinzelhandel als Reaktion auf Skandal-Bilder

Berlin (ots) – Heute haben Spiegel Online und die Tierrechtsorganisation Animal Equality Bilder aus einem der größten Eier produzierenden Betriebe Deutschlands veröffentlicht. Sie dokumentieren erschütternde Zustände in der Legehennenhaltung. Die Eier aus Bodenhaltung des brandenburgischen Betriebs stehen in den Regalen von Aldi, Edeka, Marktkauf, Netto und Netto Marken-Discount. Auf den Aufnahmen sind Tiere mit großflächig kahlen Stellen sowie Wunden, besonders an den Legeorganen, zu sehen – Folgen des gegenseitigen Bepickens. Der vollzogene Ausstieg aus dem Schnabelkürzen kann nur dann funktionieren, wenn sich die Haltungsbedingungen bessern. Daher fordert die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt jetzt klare Maßnahmen vom Lebensmitteleinzelhandel, um das Leid der Hennen schnell zu verringern. In einem Brief an die Ketten fasst die Tierschutz-Stiftung zusammen, welche Schritte der Handel dringend umsetzen muss.

»Wir haben davor gewarnt, dass solche Probleme auftreten, wenn der Ausstieg aus dem Schnabelkürzen nicht richtig umgesetzt wird«, sagt Mahi Klosterhalfen, Geschäftsführer der Albert Schweitzer Stiftung. »Von einem geglückten Schnabelkürzausstieg kann leider keine Rede sein.« Unter den üblichen Bedingungen – egal ob bei der Boden-, Freiland- oder Biohaltung – entwickeln die Legehennen Verhaltensstörungen; die Tiere verletzen sich dann gegenseitig massiv, zupfen sich gegenseitig Federn aus und picken sich blutig, teils mit tödlichen Folgen.

Die Albert Schweitzer Stiftung hat darum ein Papier erstellt, in dem sie die aus ihrer Sicht absolut unverzichtbaren Maßnahmen fordert. Diese soll der Lebensmitteleinzelhandel verpflichtend vorschreiben:

   - Strukturierte Umwelt: Die Haltungssysteme müssen den Tieren in 
     allen Lebensphasen abwechslungsreiche Strukturen bieten und etwa
     das Scharren in Einstreu sowie Sandbaden ermöglichen. Bei 
     Problemen müssen die Tiere mehr Platz bekommen (Verringern der 
     Besatzdichte).
   - Beschäftigung: Die Tiere müssen ausreichend Zugang zu Raufutter 
     (in Form von Luzerne, Heu und/oder Stroh) sowie zu Pickblöcken 
     und anderen Beschäftigungsmaterialien haben.
   - Kontrolle: Die Tierbetreuer müssen den Zustand der Tiere 
     regelmäßig dokumentieren und bei Bedarf Maßnahmen einleiten.

Diese Maßnahmen hat die Stiftung nach Auswertung der Fachliteratur zusammengestellt.

»Die derzeitige Praxis des Schnabelkürzausstiegs ist nur eine Billig-Lösung auf Kosten der Tiere«, kritisiert Mahi Klosterhalfen. »Das Kürzen wird zwar unterlassen, aber es wurde bislang viel zu wenig unternommen, um Verhaltensstörungen zu vermeiden – aus Kostengründen. Viele Legehennenhalter verringern stattdessen einfach die Beleuchtung in den Ställen, um die Tiere ruhigzustellen. Bei geringer Lichtintensität sind jedoch Wahrnehmung, Aktivität und Verhalten der Hennen erheblich eingeschränkt«, so Klosterhalfen.

Hintergrund:

Federpicken und Kannibalismus bei Legehennen sind nicht aggressiv motiviert, sondern Verhaltensstörungen. Sie entwickeln sich aus fehlgeleitetem Futtersuch- und Futteraufnahmeverhalten. Um diese Störungen zu vermeiden, entfernte man den weiblichen Legehennen-Küken über Jahrzehnte routinemäßig die empfindsamen Schnabelspitzen. Intakte Schnäbel sind jedoch unter anderem für Nahrungsaufnahme und Wohlbefinden wichtig. Das Schnabelkürzen ist zudem ein sehr schmerzhafter Prozess für die Küken, der oft auch dauerhafte Schmerzen verursacht.

Diese brutale Praxis gilt in Deutschland inzwischen als weitestgehend beendet. Nach dem 31. August 2018 dürfen von Hennen mit gestutzten Schnäbeln keine Eier mehr vermarktet werden, die das Logo des Vereins für kontrollierte alternative Tierhaltungsformen (KAT) tragen. Da diesem Verein nahezu alle Legehennenbetriebe in Deutschland angehören, werden seit 2017 nur noch Tiere ohne amputierte Schnabelspitze eingestallt. Schon zuvor gab es eine freiwillige Vereinbarung zwischen der Eier-Industrie und dem Bundeslandwirtschaftsministerium, das Schnabelkürzen seit August 2016 zu unterlassen.

Die Albert Schweitzer Stiftung war maßgeblich daran beteiligt, dass sich Wirtschaft und Politik überhaupt auf einen Schnabelkürzausstieg geeinigt haben.

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Wenn die Nieren nicht mehr “mitspielen”. An der chronischen Nierenerkrankung (CNE) leiden vor allem ältere Hunde und Katzen.

Bonn (ots) – Schwere Erkrankungen kommen nicht immer mit eindeutigen Symptomen daher. Manche verlaufen zunächst unauffällig und schreiten langsam, aber kontinuierlich fort. Sie werden dann häufig nicht erkannt oder falsch zugeordnet. Besonders problematisch ist dies bei älteren Tieren. Wer hat es nicht schon einmal selber gesagt: “Unser Liebling wird eben alt.”

Die chronische Nierenerkrankung bei Hund und Katze (CNE) – auch unter der Bezeichnung chronische Niereninsuffizienz (CNI) bekannt, ist solch eine schleichend auftretende und vom Tierhalter oftmals unterschätzte Krankheit. Woran kann man sie erkennen? Betroffene Tiere trinken mehr als üblich, setzen mehr Harn ab oder verlieren ihren Appetit. Sie leiden unter Übelkeit, nehmen ab und sind häufig müde. Das Fell wird stumpf. Diese Veränderungen treten jedoch nicht zwingend bei allen erkrankten Tieren und auch nicht immer gleichzeitig auf. Das erklärt, warum beim Halter nicht sofort alle Alarmglocken läuten – mit fatalem Ausgang. Denn die sichtbaren Symptome zeigen sich erst, wenn die Krankheit schon weit fortgeschritten ist.

Nierenerkrankungen kommen bei Hunden und Katzen häufig vor, vor allem ältere Tiere sind betroffen. Man schätzt, dass bis zu 20 Prozent aller Katzen, die älter als sieben Jahre sind, an CNE erkrankt sind, bei Katzen über fünfzehn Jahren steigt die Häufigkeit sogar auf ein Drittel. Aber auch rund sechs Prozent aller Hunde leiden an einer CNE. Sie ist die häufigste Todesursache bei Hunden und Katzen im Seniorenalter.

Bei Tieren mit CNE ist die ausreichende Aufnahme von Flüssigkeit besonders wichtig. Daher sollte man ihnen an mehreren Stellen im Haushalt Trinknäpfe mit frischem Wasser anbieten.
Quellenangabe: “obs/Bundesverband für Tiergesundheit e.V./BfT/Shutterstock”

Diese Nierenerkrankung ist nicht heilbar. Bei einer Diagnose stehen aber eine Reihe von Therapiemöglichkeiten zur Verfügung, die die Krankheit verzögern und abmildern können. Das macht Vorsorgeuntersuchungen beim älteren Tier so extrem wichtig. Dazu sollte auch eine Blutuntersuchung gehören, über die man CNE inzwischen diagnostizieren kann. Je früher die Krankheit erkannt wird, desto besser die Möglichkeiten, das Tier zu unterstützen. Die Behandlung der CNE ist immer eine Langzeittherapie. Hierbei kommt es darauf an, die verschiedenen Aspekte der Erkrankung zu bekämpfen und an mehreren Punkten anzusetzen. Der Fütterung kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Der Tierarzt kann hier beraten und spezielle Nierendiäten empfehlen, mit denen sich der Verlauf der Krankheit deutlich verlangsamen lässt. Begleiterkrankungen wie beispielsweise Bluthochdruck, Erbrechen oder Anämie können zusätzlich durch entsprechende Medikamente gemildert werden. Hunde- und Katzenhalter sollten auch ein besonderes Augenmerk darauf haben, den Patienten stets ausreichend frisches Trinkwasser an möglichst vielen Stellen im Haushalt bereitzustellen.

Weitere Informationen finden Sie hier: http://ots.de/BBTF3P