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Verstümmelungen, Seelaus-Befall und hohe Sterberaten: Neue Undercover-Recherche enthüllt die dunklen Abgründe einer der größten Fischzuchtindustrien der Welt

Edinburgh (ots), Foto: Compassion in World Farming

Die bisher größte Undercover-Recherche in der schottischen Lachsindustrie deckt enormes, branchenweites Tierleid, hohe Sterblichkeitsraten und Verstöße gegen Tierschutzgesetze auf. Die Filmaufnahmen und der dazugehörige Bericht zeigen die traurige Realität für viele Fische in den Meereskäfigen. Sie wurden heute von mehr als 40 Tierschutzorganisationen in über 30 Ländern, darunter auch die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, veröffentlicht. Das Netzwerk protestiert gegen die Zustände und ein weiteres Wachstum der Lachszucht in Schottland.

Schottland ist der drittgrößte Produzent von gezüchteten Atlantiklachsen weltweit (ca. 38 Millionen Fische im Jahr 2019) und exportiert ihn in über 50 Länder. Deutschland ist der sechstgrößte Abnehmer: Im Jahr 2019 wurden 2.867 Tonnen Lachse aus Schottland importiert. Die schottische Regierung unterstützt ein massives Wachstum der Industrie, das bis 2030 erfolgen soll.

Über 96 % der schottischen Lachsproduktion wird von fünf Unternehmen abgewickelt: Mowi, Scottish Sea Farms, Grieg Seafood, The Scottish Salmon Company und Cooke Aquaculture. Mit Hilfe von Drohnentechnologie und Tauchern wurden zwischen September und November 2020 über 22 Farmen untersucht.

Untersuchung zeigt enormes Tierleid

Bei der Recherche, die von der Tierschutzorganisation Compassion in World Farming International geleitet wurde, entdeckten die Ermittler massive Missstände: Die Lachse sind in trostlosen und engen Unterwasserkäfigen eingesperrt. Hier schwimmen die Tiere, die in freier Wildbahn mehrere tausend Kilometer zurücklegen, bis zu zwei Jahre lang ziellos umher. Bis zu ein Viertel der Lachse stirbt bereits vor der Schlachtung.

„Das Filmmaterial beweist, wie schlecht es den Lachsen in der schottischen Massentierhaltung im Meer geht“, sagt Diana von Webel, Leiterin Kommunikation & Politik der Albert Schweitzer Stiftung. „Viele der Tiere sind krank und verletzt: Seeläuse essen die Lachse bei lebendigem Leib auf, mitunter fehlen den Tieren Augen und ganze Fleischstücke. Lachse sind empfindungsfähige Lebewesen – diese Haltungsbedingungen sind völlig inakzeptabel. Es gibt ein industrieweites Versagen beim Schutz dieser Tiere, und das muss sich ändern. Wir brauchen einen sofortigen Wachstumsstopp für die Lachsfarmen.“

Seeläuse sind kleine Krebstiere, die sich von Haut, Blut und Sekret von Fischen ernähren. Ihre Zahl hat mit der Expansion der Lachsindustrie explosionsartig zugenommen. Bisher haben die Lachsfarmen noch keine wirksame, tierschutzgerechte und umweltfreundliche Behandlungs- oder Präventionsmethode eingeführt. Die Methoden, die die Industrie entwickelt hat, um die Fische von Seeläusen zu befreien sind grausam und unwirksam, zum Beispiel chemische Bäder oder Behandlungen durch Entlausungsmaschinen (Thermolicer und Hydrolicer). Viele Fische sterben nach diesen Prozeduren.

Lachsindustrie trägt zu Umweltverschmutzung und Überfischung bei

Die Lachszucht schadet nicht nur den Tieren, sondern auch der Umwelt. Abfälle aus schottischen Lachsfarmen verändern die chemische Zusammensetzung der Sedimente und töten das Leben auf dem Meeresboden. Außerdem können die Abfälle zu schlechter Wasserqualität und schädlichen Algenblüten führen. Medikamente und Chemikalien, wie Antibiotika und Insektizide, werden ebenfalls in die Umwelt freigesetzt. Dabei sind viele von ihnen bekanntermaßen giftig für Fische und andere Meeresorganismen sowie Vögel und Säugetiere. Darüber hinaus ist die Zucht von Raubfischen, wie z. B. Lachs, für einen Großteil des industriellen Fischfangs in unseren ohnehin schon überfischten Ozeanen verantwortlich. Millionen Tonnen wild gefangener Fische werden zu Fischmehl und Fischöl verarbeitet, um Fische in Aquakulturen zu füttern.

„Angesichts der zahlreichen Tierschutz- und Umweltprobleme in der schottischen Lachsindustrie sind die aktuellen Wachstumspläne völlig unverantwortlich“, meint Diana von Webel. „Wir fordern die schottische Regierung auf, ein Moratorium für das Wachstum der Industrie zu erlassen. Raubfische in Unterwasserkäfigen einzusperren und unsere Ozeane leerzufischen, um sie zu füttern, ist purer Wahnsinn. Letztendlich müssen wir uns fragen, ob die Lachszucht in einem nachhaltigen Ernährungssystem überhaupt einen Platz haben kann.“

Diese Form der Fischzucht ist mit schwerwiegenden Tierschutz- und Umweltproblemen verbunden. Weltweit fordern Organisationen deshalb in einem ersten Schritt, das Wachstum der Industrie zu stoppen. In Deutschland kann man den Protest auf der Website der Albert Schweitzer Stiftung unterstützen.

Links

Petition: https://albert-schweitzer-stiftung.de/helfen/petitionen/helfen-sie-den-lachsen

Bericht: https://www.ciwf.org.uk/media/7444572/ciwf_rethink-salmon_21_lr_singles_web.pdf

Video: https://www.youtube.com/watch?v=HH6V7cnlRQc

Fotos: https://ots.de/q96Ful

Die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt

Die Albert Schweitzer Stiftung setzt sich gegen Massentierhaltung und für die vegane Lebensweise ein. Dafür nutzt sie juristische Mittel und wirkt auf wichtige Akteure aus Wirtschaft und Politik ein, um Tierschutzstandards zu erhöhen, den Verbrauch von Tierprodukten zu reduzieren und das pflanzliche Lebensmittelangebot zu verbessern. Interessierten bietet sie fundierte Informationen und zeigt Alternativen auf. Mehr erfahren Sie auf https://albert-schweitzer-stiftung.de.